Kategorie-Archiv: Annemarie Maraschi

Der Gerechtigkeit nicht beizustehen, wär ein Verrat am Frieden!

Geraubtes Recht zurückerlangen,
das war seit jeher teuer
zur Zeit der Griechen und der Römer
und gleichwohl auch noch heuer.

Wagnis eingehen und riskier’n,
muß, wer erobern will
ein Recht für sich und and’re Menschen
und oft verliert er viel.

Das Eigentum, Gesundheit, Ansehen,
ja selbst das Leben in Gefahr
Welch hoher Tribut immer doch
für’s Recht zu zahlen war!

Was heut der Mensch an Freiheiten,
sei’s auch beschränkt, genießt,
ob man ihm diese gnadenvoll,
so einfach überließ?

Ob jener wohl, der Euch entrechtet,
freiwillig Recht erteilt?
Und ob, wer Macht, Profit begehrt,
gerecht zu sein, sich eilt?

Das Recht haben die Freiheitskämpfer
mit ihrem Leid errungen.
Durch Mut ist dieser kleine Vormarsch
des Menschenrechts gelungen.

Echte Gerechtigkeit, o ja,
an ihr herrscht großer Mangel.
Kein Müßiggänger bringt sie je,
an seine leere Angel.

Seht! Wieviel Blut musste nicht schon
in die Geschichte fließen,
bis Menschenhelden Menschlichkeit
der Menschheit hinterließen.

Gerechtigkeit – nicht nur für manche,
Gerechtigkeit uns allen.
Doch diesen Manchen, das steht fest,
will dieses Wort mißfallen.

Das Maß für die Gerechtigkeit,
das wollen die bestimmen,
die ohne Achtung anderer Rechte,
in Macht und Reichtum schwimmen.

Doch die, die da ihr Unrecht trifft,
auch die wird’s somit geben.
Sie spüren ja des Rechtes Sinn
und werden Recht erstreben.

Und der Gerechteste Gerechte,
ihr Gott, ihr Gott hilft ihnen.
Er steht besonders jenen bei,
die innig nur ihm dienen.

Wenn sie mit allen ihren Kräften,
auf ihre Rechte pochen,
so hat er ihnen in der Schrift
Hilfe und Lohn versprochen.
Hat seinen Beistand klar verkündet,
auf daß keiner verzage
und mit Geduld vertrauensvoll
den harten Kampf ertrage.

den unermüdlich Strebenden
verkündet Lohn Er, reichen.
Und schon die Liebe zum Gerechten
läßt Freude sie erreichen.

Der Kampf um Rechte, er enthält,
für jene solche Süße,
daß Leben ohne dieses Streben
ein Totsein für sie hieße.

Wer mag es schon, daß man sein Recht
so einfach nähme fort?
Wer wähnte unzufrieden sich
gäb‘ man ihm’s allerorts?

Wenn jeder einem jeden and’ren
sein Recht auf Rechte gäbe,
es wäre wahrer Frieden, was
die Menschheit dann erlebe.

Solang‘ jedoch gewisse Leute,
das Recht von Völkern rauben,
wird kaum einer der wachen Menschen
an Friedensaussicht glauben.

Die, die die Menschen, wo es geht,
aus Eigennutz entrechten,
und die, die sie profiterheischend
nach ihrem Wunsch verknechten,

sie sind es, die in dieser Welt
um Frieden uns betrügen,
sie spielen einen Friedensboten,
verblenden uns mit Lügen.

Doch Liebe zur Gerechtigkeit
ließ nie sich unterdrücken.

Und Menschen gibt es immer wieder,
die sich zum Kampf anschicken.

Denn soll das Banner wahren Friedens
über dem Erdball wallen,
so müssen böse Mächte doch
sich fügen oder fallen.

Ob der, der sich in seiner Macht,
in seinem Reichtum sonnt,
ob, wer das Unrecht selbst verübt,
je zur Besinnung kommt?

Und Du, der Du doch auch den Frieden,
das Recht im innern liebst.
Gott und Entrechtete erwarten,
daß Du’s zum Ausdruck bringst

Gedeutet wird’s als Zustimmung,
wenn Du Dich zeigst im Schweigen.
Gesellst Du Dich denn damit nicht
zum unlauteren Reigen?

Laß laut und offen Deine Zunge
gegen das Unrecht sprechen!
Entschließ Dich doch, des Schweigens Siegel
für immer aufzubrechen.

Und wer noch nicht die ganze Wahrheit
genügend klar erkennt,
der geh ihr nach, es gibt ja wen,
der sie für allen nennt.

Auch hütet Euch, werdet bewußt!
Man möchte Euch verschaukeln,
und Euch gar Unrechtmäßiges
als reines Recht vorgaukeln.

Ergebt Euch nicht, ängstigt Euch nicht
vor solch geschwächten Mächten.
Die Gottesmacht – sie ist mit denen,
die um das Rechte fechten.

Das Kerkergitter

Und aus des Lebens Tand und Flitter
erwächst für ein Kerkergitter,
das es zu sprengen gilt,

um aus den Mauern, aus den Zwängen
hinaus ins Freie rauszudrängen,
dort alle Wahrheit zu erkennen,
die es für uns zu kennen gilt.

Und aus des Lebens Tand und Flitter
erwächst für uns ein Kerkergitter,
das es zu sprengen gilt,

und Gott, den Einig Wunderbaren
mit uns’ren Herzen zu erfahren
und um zu geh’n den Weg, den klaren,
den es zu Ihm zu gehen gilt.